Es gibt Beziehungen, die wachsen langsam. Jahrelang, Nachricht für Nachricht, Herzchen für Herzchen. Und dann gibt es Beziehungen, die von Anfang an nur aus einem bestehen: einem Konto, das geleert werden soll. Letzteres ist einer 62-jährigen Frau aus der Westpfalz passiert – mit einem Vermögensschaden, der sich gewaschen hat.
Die Masche klingt wie aus einem schlechten Groschenroman, hat aber einen bitterernsten Kern. Über Social-Media-Plattformen und Textnachrichten bauten Unbekannte jahrelang eine vermeintliche Liebesbeziehung zu der Frau auf. Mindestens ein Mann gab sich dabei als US-Soldat aus – ein Klassiker im sogenannten „Love- oder Romance Scamming“, bei dem Uniform und Übersee-Herzschmerz offenbar immer noch zuverlässig Vertrauen wecken.
Was folgt, ist die traurige Routine dieser Betrugsform: Notlagen werden erfunden, mal mit Bildern „belegt“, mal einfach nur behauptet. Medizinische Kosten, Zollgebühren, Anwaltshonorare – angeblich auch für Familienangehörige, die es in dieser Form vermutlich nie gegeben hat. Die 62-Jährige glaubte, zu helfen, und kam der Bitte um Geld mehrfach nach – in Form von Gutscheincodes. Am Ende stand ein Schaden von 8.000 Euro zu Buche.
Die Polizei Westpfalz ermittelt nun wegen Betruges. Parallel dazu wird deutlich gemacht, wie perfide das System dahinter funktioniert: Teilweise werden „Helfende“ sogar gebeten, das eigene Bankkonto für Überweisungen an angebliche Notare oder Rechtsanwälte zur Verfügung zu stellen – ein Vorgehen, bei dem aus Opfern schnell unfreiwillige Mittäter werden können. Die klare Ansage der Beamten: Darauf einlassen sollte sich niemand, das ist und bleibt Betrug.
Die gute Nachricht in dieser eigentlich traurigen Geschichte: Wer merkt, dass die große Liebe verdächtig oft ums Geld kreist, darf und soll das melden. Eine Vertrauensperson einweihen, die Polizei kontaktieren – Scham ist hier wirklich fehl am Platz. Schließlich sind es professionelle Täuschungsstrukturen, gegen die auch misstrauische Westpfälzer nicht automatisch immun sind.
Die Polizei-Beratung informiert im Internet ausführlich über diese und weitere Betrugsformen sowie Schutzmöglichkeiten unter polizei-beratung.de.