19. Oktober 2026

Von der Stock-Auto-Bahn zum Breakdancer: Wie sich die Lautrer Kerwe über die Jahrzehnte verändert hat

Kerwe ist, wenn das Riesenrad wieder über Lautern thront

Zehn Tage lang wird derzeit wieder Oktoberkerwe in Kaiserslautern gefeiert. Wer durch den Messeplatz schlendert, Zuckerwatte in der einen und vielleicht ein Lebkuchenherz in der anderen Hand, der steht in einer langen Tradition. Wie lang genau, das zeigt der SWR in einer Bildergalerie, für die im Archiv des Senders und im Lautrer Stadtarchiv gestöbert wurde. Das Ergebnis: eine Zeitreise von den 1960er-Jahren bis in die Gegenwart – und der Beweis, dass manche Dinge beim Pfälzer einfach bleiben, wie sie sind.

Das Problem: Wehmut vorprogrammiert?

Man kennt das als Optimist ja selbst: Kaum steht man auf dem Kerweplatz, kommt die Erinnerung ums Eck – „Früher war mehr Lametta“, murmelt der Nachbar von nebenan. Aber Moment mal, bevor hier jemand in Nostalgie-Trübsal verfällt: Ein Blick in die alten Fotos zeigt, dass die Kerwe sich zwar verändert hat, ihr Kern aber über die Jahrzehnte bemerkenswert stabil geblieben ist. Und genau das ist doch eigentlich die beste Nachricht, die man am Wursteschdand serviert bekommen kann.

Die Lösung (Der Pfälzer Weg): Was bleibt, was kommt und kam

  • Das Riesenrad – der Dubbeglas-Faktor der Kerwe: Schon 1963 und 1966 überragte es laut Stadtarchiv Kaiserslautern den Messeplatz, so standfest wie ein gut gefülltes Dubbeglas auf dem Wackeltisch. Bis heute ist es aus dem Kerwebild nicht wegzudenken – 2025 strahlte es abends bunt beleuchtet über dem Gelände.
  • Vom Teufelsfahrer zum Breakdancer: 1963 sorgten laut Stadtarchiv der „Teufelsfahrer“ und die „Stock-Auto-Bahn“ für Nervenkitzel, 1974 übernahm das Fahrgeschäft „Enterprise“ diesen Job, 1988 wirbelte die „Galactica“ die Besucher durch die Luft, und 2023 drehte sich alles beim „Breakdancer“. Der Wunsch nach Adrenalin, so zeigt es die Bilderreihe, hat sich über 60 Jahre nicht geändert – nur die Namen der Maschinen.
  • Das Kettenkarussell – treuer Begleiter seit Generationen: 1987, 2019 und auch bei der Maikerwe 2026 drehte es nachweislich seine Runden über dem Messeplatz. Wer sich fragt, ob irgendetwas in dieser schnelllebigen Zeit noch Bestand hat – hier ist die Antwort, in Metall und Kettenglanz.
  • Kleine Rituale mit großer Wirkung: Das Lebkuchenherz für die/den Liebste(n), dokumentiert unter anderem aus dem Jahr 2013, und Kuscheltiere zum Gewinnen an den Ständen gehören laut der Bildersammlung seit Jahren zum festen Programm. Genau diese kleinen Konstanten sind es, die eine Kerwe erst zur Kerwe machen.
  • Auch 1989 schon mit Wums: Eine Wasserrutsche sorgte laut Stadtarchiv schon damals auf dem Messeplatz für Abkühlung und Spaß – ein Beleg dafür, dass Erfindungsreichtum bei Schaustellern keine Erfindung der Neuzeit ist.

Herausforderungen hinter den Kulissen

Dass eine Kerwe mit zehn Tagen Programm nicht einfach vom Himmel fällt, zeigt der SWR ebenfalls: Hohe Spritpreise, gestiegene Personalkosten und teurere Lebensmittel erschweren den Schaustellern aktuell das Geschäft. Wer also das nächste Mal an einem Stand vorbeikommt, darf ruhig mit etwas mehr Wertschätzung ans Portemonnaie gehen – schließlich steckt hinter jeder Fahrt im Kettenkarussell ein Betrieb, der mit echten Kostenproblemen jongliert, ganz ohne Förderprogramm oder Digitalbonus.

Der Kompass-Check: Auf den Punkt gebracht

  • Laut Stadtarchiv Kaiserslautern gehören Riesenrad und Kettenkarussell seit den 1960er- beziehungsweise 1980er-Jahren fest zur Lautrer Kerwe und sind es bis heute geblieben.
  • Fahrgeschäfte wie „Teufelsfahrer“, „Enterprise“, „Galactica“ oder „Breakdancer“ zeigen laut SWR-Bildergalerie, dass sich über Jahrzehnte vor allem die Technik, nicht aber die Lust am Nervenkitzel verändert hat.
  • Nach Angaben des SWR kämpfen Schausteller aktuell mit hohen Spritpreisen, Personal- und Lebensmittelkosten – ein Grund mehr, der Kerwe und ihren Betreibern die Treue zu halten.

Egal ob mit Lebkuchenherz in der Hand oder beim Blick von oben aus dem Riesenrad: Die Kerwe verbindet Generationen, die sich sonst vielleicht nie am gleichen Stand getroffen hätten. Und genau das ist es, was eine gute Westpfälzer Tradition ausmacht – sie verändert sich mit der Zeit, ohne ihre Seele zu verlieren.

Quellen

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