Kaiserslautern (llp) – Nach dem 2:0-Heimsieg des 1. FC Kaiserslautern gegen den VfL Bochum prüft die Stadtverwaltung nach eigenen, bislang unbestätigten Angaben einen Antrag auf Anerkennung des Betzenbergs als UNESCO-Weltkulturerbe der Unbezwingbarkeit. Grundlage ist die Heimbilanz der laufenden Saison: Vier Spiele, drei Siege, kein einziges Gegentor. Semih Sahin hatte in der 75. Minute per Elfmeter das 2:0 besorgt, die Westkurve quittierte dies mit den einschlägigen Fangesang-Klassikern, die auf dem Berg traditionell lauter klingen als anderswo.
46.788 Zuschauer fanden trotz Schmuddelwetters den Weg ins Fritz-Walter-Stadion, der Zuschauerschnitt liegt damit bei knapp 46.500. Ein Sprecher des Citymanagements erklärte dazu, man wolle die Zahlen der Kulturbehörde in Paris vorlegen, „schließlich ist eine Festung, die sich bei Dauerregen selbst füllt, ein Alleinstellungsmerkmal, das selbst die Chinesische Mauer nicht vorweisen kann.“
Während auf dem Rasen die Defensive für Furore sorgte, kämpften die FCK-Ultras auf den Rängen für ein anderes Stück Lautrer Identität. Ein Spruchband widmete sich der drohenden Schließung der Kultkneipe Zack Zack in der Richard-Wagner-Straße: „In Lautre gebbt’s de Betze, es Zack Zack un uff die Fress!“ stand dort zu lesen, dazu die Forderung, dass es in Lautern auch weiterhin drei feste Größen geben müsse – und Zack Zack gehöre dazu. Hintergrund ist die Change.org-Petition „Rettet Zack Zack Kaiserslautern – Ein Stück Gemeinschaft, das bleiben muss“.
Ein Kneipenwirt aus der Nachbarschaft, der namentlich nicht genannt werden wollte, kommentierte das Engagement der Fans mit bemerkenswerter Nüchternheit: „Wenn die Stadt schon Betonbollwerke unter Denkmalschutz stellt, dann bitte auch den Tresen, an dem seit Jahrzehnten über Abseitsentscheidungen gestritten wird.“ Ob die Stadtverwaltung Zack Zack tatsächlich als immaterielles Kulturgut listen wird, blieb auf Anfrage offen.
Für zusätzliche Aufmerksamkeit sorgte ein zweites Spruchband, das sich dem kürzlich erlassenen Hüpfverbot in der Ostkurve des Bochumer Ruhrstadions widmete: „Stadt Bochum: Feind der Bewegung“, ließen die Betze-Ultras verlauten und solidarisierten sich damit demonstrativ mit den Anhängern des VfL. Innerstädtische Quellen berichten, dass im Rathaus erste Stimmen laut wurden, Kaiserslautern solle sich im Gegenzug offiziell zum „Bollwerk der Bewegungsfreiheit“ ausrufen lassen, inklusive eigener Verordnung, die das Hüpfen auf dem Betzenberg ausdrücklich erlaubt und sogar empfiehlt. Eine Sprecherin der Verwaltung wollte sich dazu nicht festlegen, ließ aber durchblicken, dass „Bewegungsfreude grundsätzlich mit dem Lautrer Selbstverständnis vereinbar ist, solange sie nicht vom Gegner ausgeht“.
Für einen besonderen Moment sorgte die Einwechslung von Daniel Hanslik, der früher selbst das FCK-Trikot trug und nun für Bochum auflief. Die Fans begrüßten ihn mit Applaus und vereinzelten Sprechchören – Ausdruck jener Westpfälzer Gastfreundschaft, die selbst beim sportlichen Gegner nicht haltmacht. Die rund 2.500 mitgereisten Bochum-Anhänger zeigten sich nach dem Spiel dagegen wenig euphorisch, Schwenkfahnen und Spruchbänder waren nach dem Abpfiff bereits eingerollt.
Ob aus dem Antrag auf den Welterbe-Status tatsächlich etwas wird, steht in den Sternen. Fest steht nach diesem Spieltag jedoch: Der Betzenberg verteidigt nicht nur seinen Strafraum, sondern offenbar auch seine Traditionen – von der Eckkneipe bis zur Bewegungsfreiheit der Fans, egal auf welcher Seite der Kurve.
Der wahre Kern: Der 1. FC Kaiserslautern besiegte den VfL Bochum tatsächlich 2:0, Semih Sahin traf in der 75. Minute per Elfmeter. 46.788 Zuschauer waren im Stadion, die Heimbilanz steht nach vier Spielen bei drei Siegen ohne Gegentor. Die Spruchbänder zu Zack Zack und zum Hüpfverbot in Bochum wurden tatsächlich gezeigt, die Change.org-Petition zur Rettung der Kneipe existiert real. Auch die Begrüßung von Daniel Hanslik und die Stimmung bei den mitgereisten Bochum-Fans entsprechen den Berichten vom Spieltag.
Die Satire-Einordnung: Der Antrag auf den UNESCO-Status, sämtliche Zitate von Stadtverwaltung, Citymanagement und Kneipenwirt sowie die angebliche Bewegungs-Verordnung der Stadt Kaiserslautern sind frei erfunden und rein satirisch gemeint.
Satire darf alles, außer langweilen. Für echte Beschwerden ist der Service für Bürgerbeschwerden zuständig, für den Humor ausschließlich LauternLife. (lal)