Jeder kennt das: Man denkt an Berufe, die man mal ergreifen könnte, und landet bei Feuerwehrmann, Konditor oder vielleicht noch Bürgermeister. An „Berufsbetreuer“ denkt dabei fast keiner – dabei ist genau das ein Job, der gebraucht wird wie der Schoppen zum Handkäs. Die Betreuungsbehörden der Stadt und des Landkreises Kaiserslautern, des Landkreises Kusel, des Landkreises Südwestpfalz und der Stadt Zweibrücken haben das Problem erkannt und sich zusammengetan, um Nachwuchs für diesen Berufszweig zu gewinnen.
Das Problem dahinter ist größer, als es auf den ersten Blick scheint. Es zeichnet sich ab, dass die Zahl der derzeit aktiven Berufsbetreuenden künftig nicht ausreichen wird, um den steigenden Bedarf zu decken. Das heißt im Klartext: Immer mehr Menschen brauchen Unterstützung, aber immer weniger packen diese verantwortungsvolle Aufgabe an. Und das, obwohl es hier nicht um Bürokratie-Huddel im luftleeren Raum geht, sondern um echte Menschen in echten Notlagen.
Eine rechtliche Betreuung unterstützt erwachsene Menschen, die aufgrund einer psychischen Erkrankung oder einer geistigen, seelischen oder körperlichen Beeinträchtigung ihre Angelegenheiten ganz oder teilweise nicht mehr selbstständig regeln können. Die Gründe dafür können eine schwere Erkrankung, ein Unfall oder schlicht Altersgebrechlichkeit sein – Dinge, die jeden von uns oder unseren Liebsten treffen können, ganz ohne Vorwarnung.
Rechtliche Betreuerinnen und Betreuer helfen dann bei der Wahrnehmung rechtlicher Angelegenheiten: bei finanziellen Fragen, im Kontakt mit Behörden oder bei der Organisation der pflegerischen Versorgung. Wenn die Betreuung nicht durch Angehörige oder Personen aus dem sozialen Umfeld übernommen werden kann, kommt die Bestellung einer beruflichen Betreuerin oder eines beruflichen Betreuers ins Spiel. Diese Tätigkeit kann haupt- oder nebenberuflich ausgeübt werden – das macht sie auch für Vereinsmeier interessant, die sich schon im Ehrenamt engagieren und noch eine sinnvolle berufliche Aufgabe suchen.
Gesucht werden Menschen, die sich für die Rechte und Belange beeinträchtigter Menschen einsetzen möchten, organisatorisches Geschick mitbringen und den Umgang mit Behörden und Gerichten nicht scheuen. Klingt erstmal wie die Stellenbeschreibung für jeden erfahrenen Vereinsvorstand, der schon mal eine Kerwe-Genehmigung durch den Formular-Dschungel geboxt hat.
Eine Anmeldung zum Infotag war nicht erforderlich – offene Türen statt Formularflut, das hört man in der Westpfalz gerne.
Wer jetzt denkt, man müsse sofort den vollen Sachkundelehrgang stemmen, kann aufatmen. Die Betreuer-Weiterbildung bietet neben dem elfteiligen Sachkundelehrgang auch einzelne Module und Seminare an, die separat gebucht werden können. Daneben gibt es Zertifikatslehrgänge für angrenzende Aufgabenfelder wie Betreuungsassistenz, Verfahrenspflegschaft, Nachlasspflegschaft oder Testamentsvollstreckung – ein ganzer Baukasten für alle, die sich in diesem Bereich engagieren wollen, ohne gleich den großen Rundumschlag zu machen.
Quellen: Pressemitteilung der Stadt Kaiserslautern und Lehrgangsübersicht der Betreuer-Weiterbildung.
Wer also schon immer mal etwas Sinnvolles mit seinem organisatorischen Talent anfangen wollte, statt nur die nächste Satzungsänderung im Verein zu wälzen, findet hier ein Betätigungsfeld, das gebraucht wird – und das garantiert nicht langweilig wird.
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